FORUM SCHULTHEATER

Fokus

Einsamkeit als Endgegner. Oder: Warum wir uns wieder treffen müssen

André Studt

Man ist mit sich allein. 
Mit den ande­ren zusam­men sind 
es die meis­ten auch ohne sich. 
Aus bei­dem muss man heraus. 
Ernst Bloch: Spuren

Wäre das SDL ein GAME, hät­te ich es mit dem End­geg­ner1Ein End­geg­ner ist in Com­pu­ter­spie­len ein beson­ders star­ker und wider­stands­fä­hi­ger Geg­ner, den der Spie­ler am Ende eines Spiel­ab­schnitts besie­gen muss. (s. auch https://de.wikipedia.org/wiki/Endgegner Ich habe den Titel aus Grün­den der Auf­merk­sam­keits­öko­no­mie gewählt – vgl. zu die­sem The­ma, das unse­re gegen­wär­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­ons­um­ge­bung ein­drucks­voll schil­dert, die sehr lesens­wer­te Stu­die von Georg Franck: Öko­no­mie der Auf­merk­sam­keit. Mün­chen, Han­ser, 1998. Ein­sam­keit zu tun gehabt – und ich wäre an ihm geschei­tert. Aber das SDL 2021 war kein GAME, son­dern Wirk­lich­keit … So besteht Hoff­nung, dass mein nach­fol­gen­der Text als Ange­bot zum Dia­log ver­stan­den wird; indem ich die Vari­an­ten mei­nes ein­sa­men Schei­terns reflek­tie­re, hof­fe ich, wenigs­tens damit irgend­et­was zu gewinnen.

Natür­lich sind mei­ne nach­fol­gend aus­buch­sta­bier­ten Gedan­ken unter dem Ein­druck der immer noch gras­sie­ren­den Pan­de­mie ent­stan­den, die eben­falls kein Spiel ist, weil sie einen Anspruch auf eine Wirk­lich­keit erhebt, die uns u.a. ein­sam machen kann: Die Welt um uns schien manch­mal stil­ler, wir saßen allein und kon­tak­tär­mer als ohne­hin, zu Hau­se dop­pelt ein­ge­loggt vor dem Rech­ner, starr­ten auf des­sen Bild­schirm, irgend­wie soli­da­risch mit irgend­wem. Wir schau­en, wenn denn alle Kame­ras an und die Richt­li­ni­en des Daten­schut­zes ver­ges­sen sind, den abwe­send Ande­ren dabei zu, wie sie ähn­li­ches tun, wie man selbst. Das fühlt sich an. Ob das gut ist, weiß ich noch nicht … (ich habe eine Ten­denz zum Schlechten).

Nun soll die­ser Text jedoch nicht in ein Lamen­to abglei­ten, dass sich in einer längst schon geäu­ßer­ten Unlust zeigt (vgl. Studt 2021), mich mit dem pan­de­misch for­cier­ten Digi­ta­li­sie­rungs­schub und des­sen Aus­wir­kun­gen auf das, was dabei als Thea­ter bezeich­net wird, aus­ein­an­der­zu­set­zen. Nein, ich gehe vom Fak­ti­schen des Gesche­he­nen aus: Mein Bei­trag soll punk­tu­ell mei­ne im Ver­lauf die­ses beson­de­ren Fes­ti­vals gewon­ne­nen Ein­drü­cke auf­zei­gen, wo für mich Ein­sam­keit über den gesam­ten Ver­lauf der von mir besuch­ten / auf­ge­such­ten / erleb­ten2Ich könn­te mich in den Dif­fe­renz­fal­ten der Seman­tik die­ser Wör­ter ver­lie­ren, um eine tref­fen­de Beschrei­bung für die im Grun­de paraso­zia­le Inter­ak­ti­on mit dem Fes­ti­val­ge­sche­hen zu fin­den: „Kon­sti­tu­tiv für eine sol­che Art des inter­ak­tio­nis­ti­schen Umgangs mit media­len Bezugs­per­so­nen ist, dass die hier ent­wi­ckel­te Bezie­hung weit­ge­hend im Ima­gi­nä­ren ver­bleibt und kei­ne wech­sel­sei­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung (Rezi­pro­zi­tät) zwi­schen Rezi­pi­ent und Medi­en­ak­teur erlaubt. Eine qua­si-rea­le Bezie­hung stellt die­se Kon­stel­la­ti­on aber dar, sofern sie auf einer impli­zi­ten Über­ein­stim­mung zwi­schen der Medi­en­per­son und dem Rezi­pi­en­ten beruht, so zu tun, als sei die Bezie­hung nicht medi­al ver­mit­telt, son­dern tat­säch­lich gelebt.“ (Wege­ner in San­der et al. 2008: 294) Ver­an­stal­tung hin­weg die prä­gen­de Erfah­rung war. Und das nicht als sub­jek­tiv kul­tur­pes­si­mis­ti­sche Befind­lich­keit oder Anzei­chen einer men­ta­len Ver­seh­rung durch einen schein­bar ewig andau­ern­den Aus­nah­me­zu­stand, son­dern dezi­diert als ästhe­ti­scher Modus: Ich habe Ein­sam­keit in vie­ler­lei Vari­an­ten, an ver­schie­de­nen Orten und in wech­seln­den Kon­stel­la­tio­nen emp­fun­den (Rezep­ti­ons­äs­the­tik) oder als sol­che wahr­ge­nom­men bzw. par­ti­ell Ande­ren als aus­ge­strahl­te Eigen­schaft zuge­schrie­ben (Pro­duk­ti­ons­äs­the­tik). Sie war, wie ich auf­zei­gen möch­te, prä­gend für mei­ne Wahr­neh­mungs­ef­fek­te, leg­te sich (oft defor­mie­rend) als Folie über die Anlie­gen der gezeig­ten Pro­duk­tio­nen und ließ mich immer wie­der an der gewähl­ten Dis­tri­bu­ti­ons­form des SDL zwei­feln. Aber der Rei­he nach …

Die Einsamkeit des Parasozialen

Nach­dem das Fes­ti­val 2020 ersatz­los aus­ge­fal­len war, ent­schlos­sen sich die Veranstalter*innen der Ver­si­on 2021 aus aktu­ell nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den3Wie wird man sich der­einst an die COVID 19-Pan­de­mie erin­nern? Vgl. dazu https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/308316/geschichte-im-ausnahmezustand/ – Dort heißt es an einer Stel­le: „Man­ches spricht dafür, dass 2020 einst das Datum des end­gül­ti­gen Über­gangs vom ana­lo­gen in das digi­ta­le Zeit­al­ter mar­kie­ren wird, das rea­le durch vir­tu­el­le Ver­ge­sell­schaf­tung ersetzt, das Mee­ting durch die Video­kon­fe­renz, die Pro­test­de­mons­tra­ti­on durch den Shit­s­torm, die sinn­li­che Erfah­rung durch das semio­ti­sche Zei­chen.“ Letz­te­res ist für unse­ren Gegen­stand „Thea­ter“ von Inter­es­se, auch wenn ein Thea­ter an Schu­len immer schon das Semio­ti­sche pri­vi­le­giert hat, so dass der hier skiz­zier­te Para­dig­men­wech­sel nicht so dras­tisch aus­fal­len dürf­te … für eine Durch­füh­rung als Digi­tal­for­mat mit hybri­den Antei­len. Kon­kret bedeu­te­te dies für mich als Essay­ist die Tak­tung eines Ereig­nis­ses, das einen nor­ma­ler­wei­se für knapp eine Woche voll­um­fäng­lich in Beschlag (und aus den bekann­ten Lebens­rou­ti­nen) nimmt, in eini­ger­ma­ßen kon­sum­a­ble Hap­pen, die als paraso­zia­ler Con­tent (d.h. als Medi­en­in­halt) wirk­sam wur­den. Die­ser wur­de in ein Wei­ter­lau­fen eige­ner (Arbeits-/All­tags-/Le­bens-) Geschäf­te fern­ab des Ver­an­stal­tungs­or­tes ein­ge­bet­tet, was für Con­tent-unab­hän­gi­ge Inter­fe­ren­zen sorg­te. Es wur­de vor­pro­du­zier­tes Mate­ri­al ein­zel­ner Grup­pen in eine eigens für das Fes­ti­val gene­rier­ten Web-Space ein­ge­stellt, man konn­te ein­zel­ne Pro­duk­tio­nen als Live-Stream sehen, bekam Links in ande­re vir­tu­el­le Umge­bun­gen (die manch­mal aber nicht unmit­tel­bar avail­ab­le / access­able waren) sowie sol­che für Pad­lets, Chats und (Fach)Foren.

Ein hoch enga­gier­tes Moderator*innen-Team von Schüler*innen aus der Gast­ge­ber­stadt führ­te uns durch die Tage, manö­vrier­te kon­kret Abwe­sen­de in Akti­vi­tä­ten, die online Ver­bin­dung und Ver­bind­lich­keit in Chats, Pads und Rooms schaf­fen soll­ten, kün­dig­te, immer wie­der aufs Neue begeis­tert, den nächs­ten Pro­gramm­punkt an, der, gerahmt durch einen ambi­va­len­ten Trai­ler, der bei mir von Tag zu Tag immer mehr nega­ti­ve Affek­te trig­ger­te, per Count­down zur nächs­ten „Auf­füh­rung“ führ­te. Danach zeig­te man sich stets begeis­tert, vol­ler Lob und wur­de jedoch ab und an jäh von einem Film unter­bro­chen, der die ein­fach nicht enden wol­len­den Sight-See­ing-High­lights in, um und um Ulm her­um im Sin­ne eines Stadt­mar­ke­tings bebilderte.

Die in die­ser Form und mit viel Auf­wand täg­lich prak­ti­zier­te Medi­en­rou­ti­ne könn­te man (wohl­wol­lend) als Dif­fe­renz­mar­ker ver­ste­hen: In nahe­zu jeder Mode­ra­ti­on wur­den For­men nach­voll­zo­gen, die dem Bereich der TV-Unter­hal­tung bzw. (und noch wahr­schein­li­cher) von Vor­bil­dern aus den sozia­len Medi­en ent­lehnt waren; die Rol­len, die es hier dar­zu­stel­len galt, hat­ten ihr Script als Gebrauchs­text. Immer wie­der wur­de ich der­art an die vor­han­de­ne und eini­ger­ma­ßen bana­le Abstän­dig­keit von Allem, was sich mit (m)einem Thea­ter­vo­ka­bu­lar pro­duk­tiv bezeich­nen lie­ße, erin­nert: Auch wenn stets Auf­füh­run­gen ange­kün­digt wur­den, waren es natür­lich kei­ne! Das hat man, bei allem Ein­satz zur Über­win­dung des paraso­zia­len Gra­bens zwi­schen An-und Abwe­sen­den, schon gemerkt, oder? Und das gilt auch, und (für mich) in beson­de­rer Wei­se, für den Fes­ti­val­auf­takt, der vor Ort in einem Stu­dio gespielt und live gestreamt wurde. 

Die Einsamkeit als massive Entzugserscheinung

Der Ein­stieg in das SDL bestand aus der Pro­duk­ti­on Die Rol­ler im Rog­gen der Geschwis­ter Scholl Schu­le Wein­gar­ten aus Baden-Würt­tem­berg. Hier wur­de mein The­ma gesetzt, denn nir­gend­wo sonst habe ich die Anwe­sen­heit von Ande­ren als vital, ener­ge­tisch, soma­tisch und kogni­tiv reagie­ren­des Publi­kum so schmerz­lich ver­misst. Umso gna­den­lo­ser erwies sich mei­ne per­sön­li­che Fall­hö­he4Vgl. mei­nen Essay zum SDL 2017: Thea­ter und Film. Dreh­buch eini­ger Gedan­ken (ein Ver­such). In: BVTS (Hg.): Fokus Schul­thea­ter 17. Theater.Film. Seel­ze, Fried­rich 2018. S. 34–39. Dort heißt es in der FN 4 bereits ahnungs­voll: „Jedoch las­sen sich Rest­be­stän­de die­ser Dia­gno­se einer sozi­al erreg­ten Phan­ta­sie in der eupho­ri­schen Reak­ti­on des Publi­kums des SDL auf die Pro­duk­ti­on Rol­lin’ love aus Baden-Würt­tem­berg aus­ma­chen: Zu sehen waren u.a. Jugend­li­che mit Han­di­cap, die sich nur per gestütz­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on arti­ku­lie­ren konn­ten. Dabei wur­de eine Sicht­bar­keit von Men­schen her­ge­stellt, die sich allein dadurch ver­be­son­der­ten, dass es sie unmit­tel­bar zu sehen gab. Der Effekt einer – wenigs­tens kurz­fris­ti­gen – Ver­bin­dung zwi­schen „Nor­mal­ge­sell­schaft“ und den Teil­neh­mern die­ser Grup­pe gelang im sozia­len Raum der Büh­ne; ein Film­dos­sier oder eine Doku­men­ta­ti­on über jun­ge Men­schen mit Han­di­cap und ihre sozia­len Wün­sche hät­te bei Wei­tem nicht eine sol­che Ver­bind­lich­keit her­stel­len kön­nen.“ (Her­vor­he­bung AS), war doch die auf den SDL 2017 in Pots­dam gezeig­te Pro­duk­ti­on die­ser inklu­si­ven Thea­ter-Grup­pe, die aus Men­schen mit Han­di­caps besteht, eine impli­zi­te Refe­renz des­sen, was nun als Live-Stream ansich­tig wur­de. Wäh­rend es sei­ner­zeit gelun­gen war, die kör­per­lich gege­be­ne und deut­lich wahr­nehm­ba­re Dif­fe­renz von per Spea­ker kom­mu­ni­zie­ren­den Akteur*innen der Sze­ne und den als nor­ma­li­siert ver­stan­de­nen Zuschauer*innen wäh­rend des Voll­zugs der Auf­füh­rung punk­tu­ell außer Kraft zu set­zen, ver­schärf­ten die Bil­der des Streams die­sen Unter­schied gra­vie­rend und lie­ßen das Gezeig­te (für mich) in die Nähe einer „freak show“ rücken (vgl. Schip­per 2012). Um aus die­ser ziem­lich gefahr­vol­len Sicht der Rezep­ti­on her­aus­zu­fin­den, hät­te es für mich einer unmit­tel­ba­ren Ver­stän­di­gung im sozia­len Raum des Thea­ters, d.h. einer Auf­füh­rung bedurft. Lei­der wur­den die unter weit­ge­hen­dem Aus­schluss einer Ver­ge­mein­schaf­tung mit einem kon­kret zuschau­en­den Gegen­über rea­li­sier­ten Spiel­hand­lun­gen im Stu­dio, jeden­falls in mei­ner Wahr­neh­mung, zum Gegen­teil des­sen, was die Grup­pe selbst pro­gram­ma­tisch ins Pro­gramm­heft geschrie­ben hat: Noch sind nicht alle Lösun­gen gefun­den und des­we­gen spie­len wir auch Thea­ter. Der Ort, an dem man sich aus­ma­len kann, was wäre wenn …“

Mir wäre es an die­ser Stel­le äußerst wich­tig, zwin­gend zwi­schen der Pro­duk­ti­ons­äs­the­tik (also dem Modus der Her­vor­brin­gung von Etwas, z.B. als Auf­füh­rung) und der Rezep­ti­ons­äs­the­tik (also dem Modus der Wahr­neh­mung die­ses Etwas, in die­sem Fall als Fluss von Bil­dern, die etwas völ­lig ande­res erzeu­gen als das, was beab­sich­tigt war) zu unter­schei­den. Bil­der sug­ge­rie­ren viel schnel­ler als Auf­füh­run­gen so etwas wie Gewiss­heit; ihnen kommt bei der Erzeu­gung von Evi­denz eine ent­schei­den­de Funk­ti­on zu, die Edmund Hus­serl als erfüll­te Inten­tio­na­li­tät, also eine auf Sinn­stif­tung gerich­te­ten Anschau­ung defi­niert, weil sich das Bild „auf die Sache durch Ähn­lich­keit“ bezieht (vgl. Hus­serl 2009: 54). Das Thea­ter ope­riert zwar auch mit Ähn­lich­kei­ten, den­noch ent­ste­hen im Voll­zug der Auf­füh­rung nicht nur objek­ti­vie­ren­de Ver­wei­se auf „die Sache“, son­dern es wer­den sub­jek­ti­ve Kon­gru­en­zen mit dem sze­nisch Vor­ge­stell­ten ermög­licht; nicht der Abstand durch visu­el­le Abs­trak­ti­on, son­dern eine Anähn­li­chung an das Abstän­di­ge v.a. durch Empa­thie ist der Grund, war­um ‚wir (…) Thea­ter spie­len‘… (ja, klar! Aber auch wenn ihr im Stu­dio gespielt habt, ist das Gespiel­te bedau­er­li­cher­wei­se nicht als Thea­ter, ja nicht mal als Thea­ter ähn­lich erfahr­bar gewe­sen!) Das per­sön­li­chen Erschre­cken über die Wir­kung der Bil­der die­ser das SDL eröff­nen­den Pro­duk­ti­on, zeigt sich viel­leicht auch eine man­geln­de Bewäl­ti­gung des­sen, was als Uncan­ny Val­ley5Es wür­de an die­ser Stel­le den Rah­men spren­gen, den Trans­fer der Erkennt­nis­se zum ‚Uncan­ny Val­ley‘ auf die Dar­stel­lung und Wahr­neh­mung von gehan­di­cap­ten Men­schen zu rekon­stru­ie­ren. Dazu sei stell­ver­tre­tend auf fol­gen­de Stu­die ver­wie­sen: Jen­ni­fer Robert­son: Robo sapi­ens japa­ni­cus: Robots, Gen­der, Fami­ly and the Japa­ne­se Nati­on. Cali­for­nia Scho­l­ar­s­hip Online 2018, insb. Kapi­tel 6 ‚Cyborg-Ableism bey­ond the Uncan­ny (Val­ley)’. bezeich­net wird: Wenn, wie bei mir am hei­mi­schen Lap­top gesche­hen, der inten­dier­te Bild­fluss des Streams ob tech­ni­scher Beein­träch­ti­gun­gen punk­tu­ell ein­friert, sodass sich die sze­nisch wirk­sa­men Akteur*innen mit Han­di­cap zu unheim­lich wir­ken­den Posen und Tableaus von Cyborgs wan­del­ten, ist es von Nach­teil, dabei ein­sam zu sein.

Die­ser (für mich) ziem­lich frus­trie­ren­de Ein­stieg in das Fes­ti­val ver­schaff­te mir zudem den Effekt einer self-ful­fil­ling pro­phe­cy. Ich muss­te mich nun mei­nes Ein­drucks erweh­ren, dem im Vor­feld des SDL ver­spür­ten Unbe­ha­gen zum Trans­fer eines schu­lisch pro­du­zier­ten Thea­ters (und des­sen ästhe­tisch-päd­ago­gi­schen Poten­tia­le, die ich in beson­de­rer bzw. her­aus­ra­gen­der Wei­se als sozia­le Wirk­sam­keit bezeich­nen wür­de) in die Kon­tex­te einer rein funk­tio­na­lis­tisch ver­stan­de­nen (und „nur“ paraso­zi­al wirk­sa­men) Digi­ta­li­sie­rung nicht nach­zu­ge­ben, um für wei­te­re, noch zu machen­de Erfah­run­gen die nöti­ge Offen­heit nicht zu verlieren…

Die Einsamkeit als Ausstrahlung bzw. zugeschriebene Eigenschaft 

Das Leben –, die­ser Kitsch der Materie. 
E.M. Cior­an: Der Zir­kus der Einsamkeit

Neben mei­ner Ver­wahr­lo­sung im Nir­gend­wo des Home­of­fices sah ich (viel­leicht in irri­ger Aus­le­gung der ange­spro­che­nen Offen­heit) in vie­len Pro­duk­tio­nen ein­sa­me Men­schen, denen eine bestimm­te Melan­cho­lie des Abstand­neh­mens zu eigen war. Ich zol­le all jenen mei­nen Respekt für ihren unge­bro­che­nen Wil­len zum sze­ni­schen Han­deln als fort­wäh­ren­de Ges­te einer Selbst­er­mäch­ti­gung in Zei­ten eines pan­de­mi­schen Alp­traums, was auch als star­kes Argu­ment für eben die­se Form der Durch­füh­rung des SDL ange­führt wer­den kann …

 (tie­fer Seufzer)

Vor allem die Begeg­nun­gen / Inter­sec­tions aus Nie­der­sach­sen setz­ten in die­ser Ange­le­gen­heit star­ke Mar­kie­run­gen. Ich war be- und gerührt von den Bil­dern, die jun­ge Men­schen bei ihren Bemü­hun­gen um einen zwi­schen­mensch­li­chen Kon­takt zeig­ten – und sich schließ­lich doch nur, bei musi­ka­lisch-kit­schi­ger Unter­ma­lung, mit kah­len Wän­den und Weich­bo­den­mat­ten zufrie­den­ge­ben muss­ten. Ich begab mich in den Stadt­raum von Bre­men (Schön), der mir cho­reo­gra­phisch erschlos­sen wur­de und Men­schen zeig­te, denen der Tanz eine Opti­on auf eine Ver­ge­mein­schaf­tung bot. Ich ver­senk­te mich in die Web­site von Socie­ty kil­led Anti­go­ne (Ham­burg), freu­te mich über die Namen der Ins­ta-Kanä­le der Prot­ago­nis­tin­nen (Is-me-nee und Anti-is-gone 22) und mach­te alle Fens­ter im Brow­ser gleich­zei­tig auf, um mir aus der Rol­le des Users mei­ne eige­ne Show zu schaf­fen und dabei die usa­bi­li­ty des Ange­bots zu prü­fen. Pünkt­lich fand ich mich in die Fach­fo­ren ein, die über den Ver­lauf der Woche immer deut­li­cher zu einem vir­tu­el­len Nicht-Ort wur­den, ein „kom­pli­zier­tes Gewirr der ver­ka­bel­ten und draht­lo­sen Net­ze, die den extra­ter­res­tri­schen Raum für eine selt­sa­me Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­set­zen, wel­ches das Indi­vi­du­um viel­fach nur mit einem ande­ren Bild sei­ner selbst in Kon­takt bringt“ (Augé 1994: 94). Auch hier, beim War­ten auf even­tu­ell doch noch Teil­neh­men­de, am Aus­tausch inter­es­sier­ten Mit­men­schen, half Ernst Bloch bzw. sein Vor­satz zu den ein­gangs zitier­ten Spu­ren: „Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Dar­um wer­den wir erst.“

Eine Varia­ti­on die­ses Sat­zes bot die Game-Show Wir wol­len alle eure Erwar­tun­gen erfül­len und wer­den dar­an schei­tern aus Thü­rin­gen, die – wenn ich es rich­tig ver­stan­den habe – als Live-Zoom aus den Jugend­zim­mern der Schüler*innen über­tra­gen wur­de (wobei die Bild­re­gie aus einer Jugend­her­ber­ge in Eisen­ach kam). Hier erfolg­te das Haten zur spie­le­ri­schen Inter­ak­ti­on bzw. als lust­vol­le Ein­la­dung zum Dis­sen zum Zweck der Dis­tink­ti­on: „Wer soll ver­lie­ren?“ Es wur­den Punk­te „für Dei­ne schö­ne Fer­se“ ver­ge­ben, man kon­sta­tier­te „Tom ist schon raus – scha­de!“ und mach­te minu­ten­lang Knie­beu­gen, was ich als Meta­pher für das Thea­ter im Netz ver­stand. Und am Ende, als eine Sie­ge­rin fest­stand, stell­te die­se dann eini­ger­ma­ßen trau­rig fest: „Selbst jetzt, wo ich gewon­nen habe, spre­che ich einen Text, der nicht von mir ist.“ Ein­sam­keit zeigt sich so als zen­tra­les Ent­frem­dungs­mo­ment. Oder umge­kehrt: Ent­frem­dung sorgt für Ein­sam­keit. Uto­pien sehen anders aus; einen Link zu Marx erspa­re ich mir.

Die Einsamkeit des Chats (hier: Hate-Speech)

Regel­recht dys­to­pisch (oder viel­leicht nur reprä­sen­ta­tiv für den oft unre­gu­lier­ten Sprach- und Sprech­raum des Net­zes) schie­nen man­che Aus­sa­gen im Chat, die schnell alte­rie­ren­de Ord­nungs­vor­stel­lun­gen auf den Plan rie­fen: „Lasst doch bit­te die­se sehr unpas­sen­den Bewer­tun­gen ande­rer Men­schen nur über deren Aus­se­hen! Toll, wenn ihr jeman­den hübsch, süß, sexy fin­det. Aber ver­liert dabei den Respekt für­ein­an­der nicht!“ (Mar­co Grasa, 22.09.2021 um 11:09 Uhr) Oder: „Ich glau­be, wir soll­ten bei kom­men­den SDLs noch trans­pa­ren­ter machen, dass den ein­zel­nen Grup­pen unter­schied­lich viel sym­bo­li­sches wie öko­no­mi­sches Kapi­tal zur Ver­fü­gung steht. (…) Ich schrei­be das, weil es offen­kun­dig noch nicht deut­lich genug von uns ‚Gro­ßen‘ ver­mit­telt wur­de, sonst wür­den nicht immer wie­der gehäs­si­ge Kom­men­ta­re auf­tau­chen – hin­ter denen eigent­lich nur steht, dass sich jemand unter­le­gen und beschämt fühlt. Im ers­ten Moment war ich wütend auf die Hass­kom­men­ta­to­ren, im nächs­ten Augen­blick ist mir gera­de klar gewor­den, dass das auch mit einem ‚Feh­ler im Sys­tem‘ zu tun hat. (Sau­san Osman, 23.09.2021 um 13:24 Uhr)

Neben den hier erfolg­ten (und rich­ti­gen) Hin­wei­sen zur nöti­gen Sen­si­bi­li­sie­rung wahr­nehm­ba­rer Dif­fe­ren­zen von jeweils zur Ver­fü­gung ste­hen­den Res­sour­cen, Exper­ti­se und eige­nen Erfah­run­gen, die noch mehr den Medi­en-Pro­duk­ten (als weni­ger den Thea­ter-Pro­duk­tio­nen) anzu­se­hen war, weil sich die Sche­re zwi­schen üppi­ger und kar­ger Kapi­ta­li­sie­rung ob des Ver­hält­nis­ses von Bild und ‚Wahr­heit‘ (bzw. Evi­denz) viel­leicht noch deut­li­cher öff­ne­te, schei­nen mir die ange­führ­ten „Hass­kom­men­tarto­ren“6Vgl. But­ler 2006. But­ler macht u.a. deut­lich, dass die Anru­fung des (spre­chen­den) Sub­jekt nötig ist, damit Sprech­ak­te über­haupt gelin­gen kön­nen; Ange­spro­che­ne kön­nen eben auch nicht reagie­ren – und damit die Ein­sam­keit des Spre­chen­den for­cie­ren. für mein The­ma Ein­sam­keit bedeut­sa­mer, weil expli­zi­ter: Wäh­rend ers­te­res einen Appell dar­stellt, sich die gar nicht mehr so „fei­nen Unter­schie­de“ von gesell­schaft­li­cher Orga­ni­sa­ti­on genau­er anzu­schau­en, um dann ggf. den Trend zur Sin­gu­la­ri­sie­rung7Vgl. Reck­witz 2017. Vor allem die Aus­sa­gen im Kap. 3 (Die Kul­tu­ra­li­sie­rung der Ungleich­heit) wären in die­sem Zusam­men­hang von Bedeu­tung. (als struk­tu­rel­le Form der Ver­ein­sa­mung) im und als Gespräch umzu­keh­ren, wür­de ich die erkann­ten Moti­ve der Unter­le­gen­heit und Scham und das damit ein­her­ge­hen­de wüten­de Spre­chen als Agie­ren aus einer Ein­sam­keit her­aus bezeich­nen – wenn man die­se Akti­vi­tät als Nega­tiv­fo­lie bzw. Kipp­fi­gur von Likes ver­steht, die Felix Stal­der wie folgt beschreibt:

„Auf der all­täg­li­chen Ebe­ne der kom­mu­ni­ka­ti­ven Selbst­kon­sti­tu­ti­on und der Schaf­fung eines per­sön­li­chen kogni­ti­ven Hori­zonts – in unzäh­li­gen Streams, Updates und Time­li­nes in den sozia­len Mas­sen­me­di­en – ist die wich­tigs­te Res­sour­ce die Auf­merk­sam­keit der ande­ren, deren Feed­back und die dar­aus resul­tie­ren­de gegen­sei­ti­ge Aner­ken­nung. Und sei die­se Aner­ken­nung nur in Form eines schnell dahin­ge­klick­ten Likes, der kleins­ten Ein­heit, die dem Sen­der ver­si­chert, dass es irgend­wo einen Emp­fän­ger gibt. Ohne die­sen hat die Kom­mu­ni­ka­ti­on kei­nen Sinn. Wenn nie­mand einen Like-But­ton unter einem Ein­trag oder einem Foto anklickt, dann hat das etwas Bedroh­li­ches. Es ist ein Zei­chen dafür, dass die Kom­mu­ni­ka­ti­on zusam­men­ge­bro­chen ist, und wenn die­ser Zustand andau­ert, hat das die Auf­lö­sung der eige­nen, kom­mu­ni­ka­tiv-kon­sti­tu­ier­ten sozia­len Exis­tenz zur Fol­ge“ (Stal­der 2016: 139)8Wenn man bestimm­te Kenn­zei­chen von Inter­net-Hate-Speech her­an­zieht, z.B. die Aus­gren­zung und Abwer­tung ande­rer zur Stei­ge­rung des eige­nen Selbst­wert­ge­fühls bzw. der Grup­pen­iden­ti­tät, wird viel­leicht kla­rer, was ich mit Kipp­fi­gur von Likes mei­ne: Mein arti­ku­lier­ter Hass stei­gert die Lie­be der mit mir dann gemein­sam Has­sen­den (was ggf. zur Über­win­dung der Ein­sam­keit führt, auch wenn deren Per­form­anz sehr anstren­gend sein kann).Stalder schreibt in die­sem Abschnitt (Sin­gu­la­ri­tät und Gemein­schaft­lich­keit) auch über Bil­der: „Die Qua­li­tät eines Bil­des wird (…) danach beur­teilt, ob ‚ande­re es mögen‘, also danach, wie es im kon­ti­nu­ier­li­chen Popu­la­ri­täts­wett­be­werb inner­halb einer bestimm­ten Nische abschnei­det.“ (141) Nicht die Kom­pe­tenz der Bil­d­er­zeu­gung (dafür gibt es ‚smar­te Kame­ras mit ein­ge­bau­ten Fil­tern‘), son­dern der Plat­zie­rung und Ladung mit Affek­ten domi­niert die visu­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on – ich wür­de behaup­ten, dass das im Thea­ter (noch) anders ist, da dort Situa­tio­nen geschaf­fen wer­den (soll­ten) ….

Man freue sich also über die „Feh­ler im Sys­tem“, denn die­se „Feh­ler“ sind veri­ta­ble Hin­wei­se auf leben­di­ge Exis­ten­zen, auch wenn sie von Ein­sam­keit umflort (und sozi­al anstren­gend) sind …

Die Einsamkeit des Fragenden

Eben­falls dem Chat ist der Kom­men­tar zum Abschluss-Panel des SDL ent­nom­men: „Ich tei­le, was Ingund sagt, bezüg­lich der Mög­lich­kei­ten und span­nen­den Grenz­un­ter­su­chun­gen. Trotz­dem fra­ge ich mich, nach die­sem Fes­ti­val, wo wir als Thea­ter­ma­chen­de auch Grenz­zie­hun­gen brau­chen, um ‚Das Eige­ne‘ unse­rer Kunst­form stark zu machen. Was auch immer das sein soll. (Pit Nöt­zold, 23.Sept 2021 16:25 Uhr. Vin­cent – über Pits Account).

Die hier auf­ge­wor­fe­ne (und für mich nach­voll­zieh­ba­re) Fra­ge nach „Grenz­zie­hun­gen“ ver­fügt über eine eige­ne dis­kur­si­ve Tra­di­ti­on, die aus aktu­el­lem Anlass wei­te­ren Auf­trieb bekom­men hat. So wur­de eine Varia­ti­on davon im Rah­men des Ber­li­ner Thea­ter­tref­fens 2020 unter dem Titel Chan­cen und Gefah­ren von Thea­ter im Netz9Eine Ana­ly­se die­ses im Rah­men des eben­falls digital/hybriden Ber­li­ner Thea­ter­tref­fens 2020 erfolg­ten Panels unter dem Titel: unboxing sta­ges – Stoppt das Strea­ming böte viel Stoff zum Nach­den­ken über den Trans­fer von Thea­ter (sowohl als Insti­tu­ti­on, Anlass zur Arbeit, poli­ti­scher Akteur, Kunst­ort u.v.a.) in einen digi­ta­li­sier­ten Aggre­gats­zu­stand. diskutiert.

Die dort ver­sam­mel­ten Theaterpraktiker*innen (vor allem die  Regisseur*innen) schei­nen mir, allein aus der Logik ihrer sze­ni­schen Arbeit her­aus, eine kla­re­re Vor­stel­lung die­ser Gren­ze zu haben: Sie unter­schei­den u.a. zwi­schen Thea­ter als einer unmit­tel­bar Gemein­schaft stif­ten­de Kunst­form, die mit­tels einem sozi­al aus- und ver­han­del­ba­ren Wahr­neh­mungs­ab­gleich ande­re Per­spek­ti­ven inner­halb einer Auf­füh­rung zulas­sen kann, einer­seits und des­sen media­ti­sier­ten Wie­der­gän­ger als Stream ohne Bewusst­sein für inter­nes / exter­nes Feed­back und Kennt­nis von ent­kop­pelt statt­fin­den Wahr­neh­mun­gen ande­rer­seits, wobei die Fra­ge, wie man sich künst­le­risch in die­sem Kon­text ein­schrei­ben kön­ne, unge­löst sei bzw. Ansatz für Expe­ri­men­te sein sollte.

Ich fürch­te, dass der Trans­fer der The­men und The­sen die­ses Expert*innen-Gesprächs aus dem Kon­text des insti­tu­tio­nel­len Thea­ters (und sei­ner im TT-Panel statt­fin­den­den Auf­be­rei­tung10Damit mei­ne ich bspw. die The­sen des Impuls­re­fe­rats von Chris­ti­an Rakow (sie­he obi­ges Video Min. 2:44–12:20), der dafür plä­diert, Thea­ter im Raum eines „maxi­ma­len Feed­backs“ (so ver­steht er das Inter­net 2.0) näher an die Nutzer*innen und deren kom­mu­ni­ka­ti­ven Bedürf­nis­sen zu plat­zie­ren, um damit die gän­gi­gen Top-Down-Rou­ti­nen des insti­tu­tio­nel­len Thea­ters (inklu­si­ver der Prin­zi­pi­en des Anspruchs auf Steue­rung, der Reprä­sen­ta­ti­on, der Immu­ni­sie­rung gegen­über Inter­ak­ti­on) zu dekon­stru­ie­ren.) für die im SDL-Chat auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge nicht ohne wei­te­res mög­lich ist, zumal das „Eige­ne“ der Kunst­form Thea­ter sich auf die­sen SDL gar nicht recht ent­fal­ten konn­te… (zum letz­ten Mal zur Erin­ne­rung: Die uns gezeig­ten, z.T. bemer­kens­wert pro­du­zier­ten Fil­me wir­ken als Arte­fakt und eben nicht als Auf­füh­rung). Aber selbst, wenn wir genau­er wüss­ten11Wir wis­sen defi­ni­tiv mehr zur Fra­ge Why theat­re?, wenn wir das gleich­na­mi­ge Gol­den Book V., her­aus­ge­ge­ben von NT Gent (Ber­lin: Ver­bre­cher Ver­lag, 2020) durch­ge­le­sen haben. Hier­in ste­cken auch schö­ne Impul­se für einen Trans­fer in ein Thea­ter in der Schu­le., wor­in die Kunst des Thea­ter in der Schu­le besteht (so wie die Expert*innen der Insti­tu­ti­on und ihre künst­le­ri­schen Teams es für eige­ne Prak­ti­ken erah­nen und bei jedem Tun aufs Neue her­aus­fin­den), heißt das nicht, dass die von ihnen geäu­ßer­te The­sen eines expe­ri­men­tel­le­ren Umgangs mit den Set­tings eines Thea­ters im Netz für die Arbeit mit Schüler*innen taug­lich wären. Und auch die von Chris­ti­an Rakow ersehn­te Dekon­struk­ti­on gän­gi­ger Top-Down-Rou­ti­nen ist dem prä­sen­tier­ten Con­tent kaum zu unter­stel­len: Schu­le und ihr ‚Anspruch auf Steue­rung‘ (und wohl auch dem Wunsch der Schüler*innen nach einem Gesteu­ert-Wer­den) scheint unka­putt- und kaum in eine popu­lär­kul­tu­rel­le Pose, in ein Meme oder GIF überführbar.

Was nimmt man also mit?

Wird es, wie es sich bei ande­ren Thea­ter­fes­ti­vals abzeich­net, auch künf­tig beim SDL eine digi­ta­le Spar­te geben? Wie­so kommt in der ergän­zen­den Emp­feh­lung Leh­ren und Ler­nen in der digi­ta­len Welt der KMK (KMK 2021) nicht ein­mal der Begriff Thea­ter vor? Wäre nicht Thea­ter der Ort, an dem man über die sozia­len Wirk­sam­kei­ten des­sen, was man mit „digi­ta­ler Welt“ meint, laut und kri­tisch nach­den­ken könn­te? Und wo ist eigent­lich das nächs­te SDL? Trifft man sich dann mal in echt? Denn nur so, fürch­te ich, lässt sich die Ein­sam­keit überwinden.

SDL- Media­thek
Wir stel­len alle Auf­füh­run­gen des SDL in unse­rer Fes­ti­val­me­dia­thek bereit. Tickets kön­nen für 29,90 Euro (regu­lär), 19,90 Euro (Mit­glie­der BVTS / Ver­bän­de) oder 9,90 Euro (wenn du einen Gäs­te­pass gekauft hast) erwor­ben wer­den. Zah­le per Über­wei­sung oder Paypal und erhal­te sofort Zugriff auf alle unten auf­ge­führ­ten Mit­schnit­te. Das Pass­wort erhältst du, sobald dei­ne Zah­lung ein­ge­gan­gen ist (bei Paypal sofort!). 
André Studt
André Studt 

Ist seit 2003 wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter am Insti­tut für Thea­ter- und Medi­en­wis­sen­schaft der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Erlan­gen-Nürn­berg. Sei­ne Arbeits­schwer­punk­te, die er als ‚prag­ma­ti­sche’ Thea­ter­wis­sen­schaft ver­stan­den haben möch­te, lie­gen u.a. in der Schul-Thea­ter-Päd­ago­gik. Er ist an der Lehrer*innenausbildung im Erwei­te­rungs­stu­di­en­gang Dar­stel­len­des Spiel (im Bereich Thea­ter­theo­rie), dem MA Stu­di­en­gang Thea­ter – For­schung – Ver­mitt­lung (mit Schwer­punkt auf Letz­te­rem) und an der Her­aus­ga­be der Zeit­schrift Schul­thea­ter (im Fried­rich-Ver­lag) betei­ligt. Zudem betreut er im insti­tuts­ei­ge­nen Thea­ter, dem Expe­ri­men­tier­thea­ter, stu­den­ti­sche Pro­duk­tio­nen und Projekte. 

Marc Augé: Orte und Nicht-Orte. Vorüberlegungen zu einer Eth­no­lo­gie der Ein­sam­keit. Frank­furt am Main, Fischer, 1994.

Judith But­ler: Hass spricht. Zur Poli­tik des Per­for­ma­ti­ven. Frank­furt am Main, Suhr­kamp, 2006.

Edmund Hus­serl: Logi­sche Unter­su­chun­gen. Ele­men­te einer phä­no­me­no­lo­gi­schen Auf­klä­rung der Erkennt­nis. Tübin­gen, Max Nie­mey­er, 1993, Teil II/Bd.2, S. 8–127. Zum Werk­zeug­cha­rak­ter des Bil­des vgl. auch Sil­via Seja: Hand­lungs­theo­rien des Bil­des. Köln. Her­bert von Halem Ver­lag, 2009.

Andre­as Reck­witz: Die Gesell­schaft der Sin­gu­la­ri­tä­ten. Ber­lin, Suhr­kamp, 2017.

Imma­nu­el Schip­per (Hrsg.): Ästhe­tik ver­sus Authen­ti­zi­tät. Refle­xio­nen über die Dar­stel­lung von und mit Behin­de­rung. Ber­lin, Thea­ter der Zeit, 2012. Dar­in v.a. der Auf­satz von Jens Roselt: Der Zuschau­er als Täter. Von der Scham beim Span­nen und Gaf­fen (S. 81–93).

KMK: Leh­ren und Ler­nen in der digi­ta­len Welt. Ergän­zung zur Stra­te­gie der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz „Bil­dung in der digi­ta­len Welt“ (Beschluss der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom 09.12.2021)

Felix Stal­der: Kul­tur der Digi­ta­li­tät. Ber­lin: Suhr­kamp, 2016.

André Studt: Mein gro­ßes Seuf­zen – wie­so ich eigent­lich kei­ne Lust mehr habe, über Thea­ter und Digi­ta­li­tät nach­zu­den­ken (es aber den­noch mache). In: Kor­re­spon­den­zen – Zeit­schrift für Thea­ter­päd­ago­gik Heft 78 (April 2021), S. 26–27.

Clau­dia Wege­ner: Paraso­zia­le Inter­ak­ti­on. In: Uwe San­der / Frie­de­ri­ke von Gross / Kai-Uwe Hug­ger (Hrsg.) Hand­buch Medi­en­päd­ago­gik. Wies­ba­den, VS, 2008, S. 294.

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