FORUM SCHULTHEATER

Fokus

Projektbericht Rheinland-Pfalz – @tatto(o)theater

Digitales Theater auf Instagram – von Social-Distancing zu Social-Media 

Tan­ja Finnemann 

Eigen­pro­duk­ti­on nach Igror Bau­er­si­ma
Geschwis­ter-Scholl-Gym­na­si­um, Daun
Rhein­land-Pfalz
Freie Grup­pe aus ehe­mal. Thea­ter-AG und DS-Kurs MSS 12
Mit­wir­ken­de: 10 Schüler*innen
Spiel­lei­tung: Tan­ja Fin­ne­mann und Vol­ker Weinzheimer

Pro­jekt­ent­wick­lun­gen im Schul­thea­ter sind immer wie­der ein­zig­ar­tig. Die Teil­neh­men­den sind aktiv in den Ent­ste­hungs­pro­zess ein­ge­bun­den und füh­len sich im Pro­ben­pro­zess ver­ant­wort­lich für das gemein­sa­me Pro­dukt. Eines ist aber all die­sen Pro­zes­sen gemein: Die Vor­freu­de auf die Prä­sen­ta­ti­on vor Publi­kum und die Freu­de über ein wert­schät­zen­des Feedback.

In die­sem Pro­jekt bestimm­te vor allem die Vor­freu­de auf die „gro­ße Büh­ne“ und „jede Men­ge Publi­kum“ die anfäng­li­che Pro­ben­zeit: Die Schüler*innen hat­ten sich zum Teil seit der 5. Klas­se in der Thea­ter-AG enga­giert und woll­ten zum Abschluss ein ganz beson­de­res Stück für ihre Jahr­gangs­stu­fe, für Freund*innen und Fami­li­en insze­nie­ren. Doch dann kam die Pan­de­mie und schnell wur­de klar, dass ein Auf­tritt vor Publi­kum vor dem Abitur im März in immer wei­te­re Fer­ne rück­te und schließ­lich gänz­lich unmög­lich wurde.

Zunächst herrsch­te läh­men­de Stil­le in der Grup­pe. Die Pro­ben am Diens­tag­nach­mit­tag fie­len aus und die Schüler*innen kon­zen­trier­ten sich in der letz­ten anstren­gen­den Pha­se vor dem Abitur auf den Distanz­un­ter­richt. Doch je mehr deut­lich wur­de, dass auch die Abi­fei­er und die übli­chen Par­tys dem Lock­down zum Opfer fal­len wür­den, des­to grö­ßer wur­de der Unmut.

Social Distancing

Irgend­et­was muss­te pas­sie­ren. Es konn­te doch nicht sein, dass nach einer lan­gen Schul- und Thea­ter­zeit der Abgang so still und lei­se sein wür­de. So kam die Idee auf, sich zumin­dest digi­tal von der Schul­ge­mein­schaft zu ver­ab­schie­den. Und bei allem Brain­stor­ming zur Ideen­fin­dung war doch immer etwas Weh­mut dabei, dass das eigent­li­che Stück Tat­too von Igor Bau­er­si­ma nun doch kei­ne Büh­ne fin­den würde.

„Man hat sich schon voll mit sei­ner Figur iden­ti­fi­ziert und jetzt wird nichts draus“, war nur eine von vie­len Stim­men, die unser neu­es Pro­jekt letzt­end­lich ins Rol­len brach­te. War­um eigent­lich nicht die Figu­ren, die schon Teil des All­tags der Schüler*innen gewor­den waren, zum Leben erwecken?

Phasen der Projektentwicklung

Annäherung an den Text

Nach der Erar­bei­tung des eher erns­ten und emo­tio­nal mit­rei­ßen­den Stücks Ali­ce im Ander­land im Jahr 2019 war es der Grup­pe wich­tig, zu einer auch komö­di­an­ti­schen Vor­la­ge zu arbei­ten, und dabei stand der Wunsch im Vor­der­grund, etwas in Rich­tung des Stü­ckes Kunst von Yas­mi­na Reza zu erar­bei­ten. So fiel die Wahl auf Tat­too von Igor Bau­er­si­ma (Bau­er­si­ma 2003), ein Stück, das ähn­lich wie Kunst die gro­ßen The­men „Freund­schaft“ und

„künst­le­ri­sche Frei­heit“ in den Fokus rückt. Da das Stück den Schüler*innen nur zum Teil bekannt war, bestan­den die ers­ten Stun­den aus Übun­gen, die das Annä­hern an den Text fokus­sier­ten und dabei Inspi­ra­tio­nen und Bil­der aus den Berei­chen Freund­schaft und Kunst erschaf­fen sollten.

Bei­spiel 1: Raum­lauf mit asso­zia­ti­ven Gefühls­zu­stän­den (nach Kün­di­ger 2019, S. 82)

  • Wäh­rend des Raum­laufs wird ein Gefühl in den Raum geru­fen => alle stop­pen und neh­men im Free­ze asso­zia­tiv in einer Kör­per­hal­tung das Gefühl ein (z.B. Angst, Freu­de, Trau­er, Ärger…).


Bei­spiel 2: Eine Grup­pen­skulp­tur bau­en
(nach Kün­di­ger 2019, S. 90)

  • Jede Grup­pe (4−5 Spieler*innen) bekommt einen abs­trak­ten Begriff (Wut, Feind­schaft, Freund­schaft, Lie­be, Zunei­gung, …), den sie als Skulp­tur umset­zen soll.
  • Zunächst nimmt ein Grup­pen­mit­glied eine Posi­ti­on ein, dann fol­gen nach und nach die ande­ren Grup­pen­mit­glie­der. Es soll­te dar­auf geach­tet wer­den, dass eine drei­di­men­sio­na­le Skulp­tur ent­steht, die auf meh­re­ren Ebe­nen von allen Sei­ten für die Zuschau­er ein­seh­bar ist.

Inhaltliches Verständnis und Einfühlen in die Rolle

Die­ser Pha­se folg­te das inten­si­ve Arbei­ten und Sich-Beschäf­ti­gen mit dem Text. Bereits hier war die Pro­ben­ar­beit pan­de­mie­be­dingt eini­gen Ein­schrän­kun­gen unter­wor­fen. Zunächst fan­den meh­re­re Sit­zun­gen statt, in denen das Stück mit ver­teil­ten Rol­len mehr­mals neu­tral und ohne spie­le­ri­sche Aspek­te in der Grup­pe gele­sen wur­de. Dabei ent­stan­den immer wie­der inner­halb der Grup­pe durch Ver­ständ­nis­fra­gen und Kom­men­ta­re ange­reg­te Dis­kus­sio­nen über Inhalt und Figu­ren­zeich­nung. Klar war, dass noch eine Men­ge Arbeit an der Text­vor­la­ge auf die Grup­pe zukam, da das Stück gekürzt wer­den muss­te und auch neue Figu­ren erfun­den wer­den soll­ten, denn die Grup­pe besaß mehr Mit­glie­der als Rol­len im Stück vor­han­den waren.

So stand zu Beginn die Über­le­gung, wel­che Tei­le des Stücks für das inhalt­li­che Ver­ständ­nis unab­ding­bar seien. 

Eine spie­le­ri­sche Her­an­ge­hens­wei­se, um her­aus­zu­fin­den, wel­che Tei­le des Stücks für das inhalt­li­che Ver­ständ­nis unab­ding­bar sind, ist das Nach­er­zäh­len des Textes:

 

Bei­spiel: Erzählkreis

  • Die Grup­pe sitzt im Kreis zusam­men. Reih­um erzählt jedes Grup­pen­mit­glied den Inhalt des Tex­tes nach. Dabei darf jeder nur einen Satz formulieren.

 

Varia­ti­on:

  • Sitzt das inhalt­li­che Grund­ge­rüst des Tex­tes, ist die Auf­ga­be, dass ein Teil der Grup­pe zu der Nach­er­zäh­lung des Tex­tes mit Stand­bil­dern und klei­nen stum­men Sze­nen impro­vi­siert. Ein Grup­pen­mit­glied oder die Spiel­lei­tung erzählt das dra­ma­tur­gi­sche Gerüst des Stü­ckes nach, die ande­ren impro­vi­sie­ren auf der Büh­ne einen Stumm­film. Dabei ist es zunächst nicht wich­tig, sich fest mit einer Rol­le zu iden­ti­fi­zie­ren, die Spieler*innen kön­nen sich in ver­schie­de­nen Rol­len aus­pro­bie­ren, swit­chen und auch meh­re­re Rol­len einnehmen.
    • „Das ist Leah“ => Eine Spie­le­rin betritt die Büh­ne und nimmt eine cha­rak­te­ris­ti­sche Kör­per­hal­tung ein.
    • „Leah wohnt in einer WG mit Fri­da und Zoe“ => Zwei wei­te­re Spie­le­rin­nen betre­ten die Büh­ne und ergän­zen das Stand­bild von Spie­le­rin 1. Dabei soll­te auch der Bezug zu Spie­le­rin 1 deut­lich wer­den (Zunei­gung, genervt sein, …)
    • „Eines Tages kün­digt sich ihr bes­ter Freund Tiger an, der mitt­ler­wei­le mit sei­ner Kunst reich und berühmt gewor­den ist => Die Spieler*innen ver­än­dern ihre Stand­bil­der ent­spre­chend der Ankün­di­gung (Auf­re­gung, Ner­vo­si­tät, …) usw.


Die­se Übung legt das dra­ma­tur­gi­sche Grund­ge­rüst fest. Hier kris­tal­li­siert sich her­aus, wel­chen Erzähl­strang die Grup­pe als wich­tig erach­tet. Im sich anschlie­ßen­den Refle­xi­ons­ge­spräch kann the­ma­ti­siert wer­den, wel­che Tei­le gelun­gen schei­nen und wo Ver­bes­se­rungs- und Erklä­rungs­be­darf besteht.

Im wei­te­ren Ver­lauf rück­ten dann immer wie­der Übun­gen in den Mit­tel­punkt, die das Ein­füh­len in die Rol­le thematisierten.

Bei­spiel: Sit­zen, um zu…

  • Hier geht es dar­um, zweck­ge­rich­te­te Hand­lun­gen dar­zu­stel­len. Die hal­be Grup­pe sitzt ver­teilt im Raum und die Spiel­lei­tung gibt immer wie­der Ände­run­gen in der Sitz­hal­tung vor, die zugleich zweck­ge­rich­tet sind. Die ande­re Hälf­te der Grup­pe sitzt als Beob­ach­ter am Rand des Rau­mes und beschreibt in einem anschlie­ßen­den Refle­xi­ons­ge­spräch die Ver­än­de­run­gen in der Hal­tung. Alter­na­tiv lässt sich hier­aus auch ein Rate­spiel konzipieren.
    • Sit­zen, um sich aus­zu­ru­hen, sich zu ver­ste­cken, zu hören, was im Nach­bar­zim­mer geschieht, um aus­zu­rech­nen, was die Wur­zel aus 7654 ist, um sich auf eine ver­ges­se­ne Melo­die zu besinnen, …

In einem sich anschlie­ßen­den Gespräch wur­de gemein­sam mit der Grup­pe über­legt, wel­ches Set­ting das schlüs­sigs­te für unse­re Spiel­fas­sung sein könn­te und wel­che Mög­lich­keit es gebe, das Figu­renar­se­nal zu erwei­tern. So wur­de aus dem Ori­gi­nal­paar Fred (Schrift­stel­ler) und Lea (Schau­spie­le­rin) eine Frau­en-WG, bestehend aus Fri­da (Schrift­stel­le­rin), Lea (You­tube­rin) und Zoe (Akti­vis­tin und Vega­ne­rin) und aus Tigers bes­tem Freund Alex wur­de sei­ne Mana­ge­rin (Alex). Die rest­li­chen Figu­ren blie­ben bestehen. Da mit der You­tube­rin Lea das Feld für den Social Media-Bezug geeb­net war, war auch schnell klar, dass wei­te­re Figu­ren die­sem Umfeld ent­sprin­gen könn­ten (die Tik­To­ker @sorum und @andersrum, Bibi und Bab­si von der Bra­vo-Social Media Crew, der Insta­gra­mer Ale­jan­dro, sei­nes Zei­chens Kunst­freak). Als die Rol­len ver­teilt waren, hat­ten alle Ensem­ble­mit­glie­der durch die Metho­de Rol­len­bio­gra­phie und ver­tie­fen­de Übun­gen Gele­gen­heit ihre Rol­le auszubauen.

Schrei­ben einer Rollenbiographie

Eine Rol­len­bio­gra­fie behan­delt fol­gen­de Aspek­te (vgl. Schel­ler 2004):

  • Dar­stel­lung der (äuße­ren) Lebensbedingungen
    • Geschlecht, Name, Alter
    • Kör­per­bau
    • Kos­tüm
    • Sozia­les Netzwerk
    • Arbeits­all­tag
    • Frei­zeit
    • Inter­es­sen
    • Sexua­li­tät
    • Part­ner­schaft 
  •  
  • Inne­re Welt der Figur
    • Selbst­bild
    • Sozia­li­sa­ti­on
    • Wer­te
    • Träu­me, Gefühle
    • Sprach­ges­tus und Sprachcode

 

Bei­spiel: Insze­nie­ren der Figur anhand von Fotos (Arbeits­auf­trag)

Neben dem Ver­fas­sen der Rol­len­bio­gra­phie sollt ihr eure Figur natür­lich auch noch insze­nie­ren. Ent­wi­ckelt bit­te eine eige­ne Kör­per­hal­tung, über­legt euch ein pas­sen­des Kos­tüm und insze­niert euch auf fünf Fotos mit Kör­per­hal­tung, Kos­tüm und typi­schen Requi­si­ten an typi­schen Orten in ver­schie­de­nen all­täg­li­chen Situationen.

Bei­spiel: Inter­view Speed­da­ting (Arbeits­auf­trä­ge)

  • Pha­se: Ihr seid Journalist*innen für die euch zuge­los­te Zeit­schrift. Schaut euch die Zeit­schrift im Inter­net an, ver­in­ner­licht den Stil der Zeit­schrift und über­legt euch drei Fra­gen, die ein*e Journalist*in der Zeit­schrift wohl einem/einer belie­bi­gen Interviewpartner*in stel­len würde.
  • Pha­se: Eine Hälf­te der Grup­pe spielt anschlie­ßend die Rol­le eines Journalisten/einer Jour­na­lis­tin und stellt dem ihm/ihr zuge­teil­ten Grup­pen­mit­glied drei aus­ge­wähl­te Fra­gen, (pas­send zur zuge­teil­ten Zeit­schrift), die die jewei­li­gen Partner*innen in ihren aus­ge­wähl­ten Rol­len aus Tat­too beant­wor­ten müssen.

Zei­tun­gen:

Bild, FAZ, Bra­vo, Harper’s Bazaar, Run­ners World. Gala, Flow, In Style, Stil­voll Woh­nen, Ein Herz für Tie­re, Mein schö­ner Gar­ten, Psy­cho­lo­gie heu­te, Gla­mour, GQ, Fire and Food

Social Media als Rollenprofil 

Nor­ma­ler­wei­se wären wir an die­sem Punkt in die inten­si­ve Pro­ben­ar­beit ein­ge­stie­gen. Da der Lock­down die­se Plä­ne ver­hin­der­te und auch abseh­bar war, dass die­ses Stück bis zum Ende der Schul­zeit der Betei­lig­ten nicht auf die Büh­ne gebracht wer­den könn­te, waren wir kurz davor, alles abzu­sa­gen und zu resi­gnie­ren. Eini­ge Wochen ver­gin­gen, in denen nichts statt­fand, die Schüler*innen sich mit den Abitur­prü­fun­gen beschäf­tig­ten und alle schon fast mit dem Pro­jekt abge­schlos­sen hat­ten. Doch im Früh­ling, kurz vor der Ver­ab­schie­dung der Abiturient*innen, gab es ein letz­tes Abschluss­tref­fen der AG. In die­sem Gespräch ging es vor allem dar­um, dass man das Gefühl hat­te, die Figu­ren des Stücks hät­ten bereits ein Eigen­le­ben ent­wi­ckelt. Und plötz­lich war die Idee da: War­um nicht die Figu­ren wei­ter­ent­wi­ckeln und so tun, als gäbe es die Figu­ren und ihre Geschich­te wirk­lich – gera­de eine Social-Media Platt­form bie­tet in die­sem Zusam­men­hang vie­le Mög­lich­kei­ten. Gemein­sam mit den Schüler*innen ent­stand die Idee, das Stück über die Platt­form Insta­gram zum Leben zu erwecken.

Dabei soll­te es eine Haupt­sei­te geben (@tattotheater => der Recht­schreib­feh­ler erklärt sich durch die Recht­schreib­schwä­che der Haupt­fi­gur Fri­da, die die­sen Account angeb­lich ins Leben geru­fen hat) und zusätz­lich soll­te jede Figur des Stücks auch eine eige­ne Sei­te besit­zen, über die man zusätz­li­chen Con­tent über das Stück hin­aus pos­ten und ver­fol­gen kann.

Auf der Haupt­sei­te wer­den auf ein­zel­nen Fotos die Haupt­fi­gu­ren des Stücks vor­ge­stellt. Zusätz­lich kann man über die Sto­rys (fest­ge­hal­ten in den High­lights der Sei­te), den Inhalt des Stü­ckes ver­fol­gen, tage­buch­ar­tig dar­ge­stellt durch die ein­zel­nen Figu­ren. Immer wie­der kann man, auch gelei­tet durch die Sto­rys der Haupt­sei­te, die ein­zel­nen Sei­ten der Figu­ren aus dem Stück besuchen.

Das Projekt geht online

Im Vor­feld der Ver­öf­fent­li­chung bespra­chen wir in der Grup­pe das gro­be Hand­lungs­ge­rüst, mach­ten eini­ge Fotos für die Social-Media Prä­senz, dreh­ten kur­ze Vide­os und ver­ab­re­de­ten Ter­mi­ne für die „Pre­miè­re“ und Folgeposts.

Das Pro­jekt ist im Fol­gen­den von Impro­vi­sa­ti­on und Über­ra­schung geprägt. Am Pre­mie­ren­abend ver­öf­fent­lich­ten wir zunächst nach und nach die Fotos der Haupt­fi­gu­ren und gaben Ein­blick in den gro­ben Inhalt des Stü­ckes. Durch Ver­lin­kun­gen, Hash­tags, Ein­la­dun­gen an Freun­de und Bekann­te gelang es, eine immer grö­ße­re „Fol­lower-Gemein­schaft“ zu gewin­nen, die den Lauf des Stü­ckes ver­folg­te und auch beeinflusste.

In den fol­gen­den Tagen ver­öf­fent­lich­ten wir abend­lich Sto­ry-Ele­men­te, die den Fort­lauf des Stü­ckes präg­ten. Immer wie­der inte­grier­ten wir Ele­men­te, die auch die Inter­ak­ti­on mit den Fol­lo­wern för­der­ten: Umfra­gen, Rate­spie­le, Ver­lin­kun­gen, Fra­gen, Abstim­mun­gen und auch die Mög­lich­keit, Figu­ren über den Mes­sen­ger direkt zu kon­tak­tie­ren, Bei­trä­ge zu kom­men­tie­ren und zu liken. Hier zeigt sich eine Schnitt­stel­le zwi­schen den For­ma­ten Thea­ter und Social Media, die sich von Video­for­ma­ten unter­schei­den. Ähn­lich wie im Thea­ter schafft man es bei Social Media, in Inter­ak­ti­on mit dem Publi­kum zu tre­ten und über Feed­back-Instru­men­te das direk­te Spiel zu beein­flus­sen. Durch die­ses Feed­back und die Zuschau­er­re­ak­tio­nen ent­steht auch eine wei­te­re Beson­der­heit des For­ma­tes: die Impro­vi­sa­ti­on und Über­ra­schungs­mo­men­te. Das dra­ma­tur­gi­sche Grund­ge­rüst besteht zwar, die ein­zel­nen Bei­trä­ge wur­den aber von den Schüler*innen impro­vi­siert und hoch­ge­la­den, ohne dass alle die Bei­trä­ge vor­her gese­hen hat­ten. So ent­stand immer wie­der ein Über­ra­schungs­mo­ment für das gan­ze Ensemble.

Im Hin­ter­grund agier­ten wir über einen Grup­pen­chat, tausch­ten Ideen aus und gaben uns gegen­sei­tig Feed­back. Es ent­stand auch ein Lern­pro­zess, da deut­lich wur­de, wie wich­tig es war, Bei­trä­ge der ein­zel­nen Figu­ren zur Haupt­sei­te zu ver­lin­ken. Manch­mal muss­ten wir auch vom Skript abwei­chen und Fra­gen der Zuschauer*innen beant­wor­ten, die uns zuvor ver­deut­licht hat­ten, dass nicht alle Inhal­te nach­voll­zieh­bar für außen­ste­hen­de Per­so­nen waren.

Eine Beson­der­heit von Insta­gram Sto­rys ist es, dass man sehr leicht Ele­men­te ein­fü­gen kann, die der Sto­ry ein beson­de­res Erschei­nungs­bild geben (Musik, Fil­ter, Gesichts­fil­ter, Gifs, Emo­jis,…). Auf der ande­ren Sei­te ist man immer wie­der beschränkt auf kur­ze Clips. Soll ein län­ge­rer, zusam­men­hän­gen­der Film gezeigt wer­den, sind wir des­we­gen auf das eben­falls von Insta­gram ange­bo­te­ne IGTV-Video aus­ge­wi­chen. Die Zuschauer*innen muss­ten dann dem aus­ge­wie­se­nen Link folgen.

Ins­ge­samt zeig­te sich für unser Pro­jekt, dass Insta­gram die rich­ti­ge Wahl war, um in Zei­ten von Social-Distancing ein Thea­ter­pro­jekt zu stem­men, da die Schüler*innen im Unter­schied zum rei­nen Medi­um Film immer wie­der in Inter­ak­ti­on mit dem Publi­kum tre­ten konn­ten und ähn­lich wie im „rich­ti­gen Thea­ter“ auch direk­tes Feed­back erhielten.

Natür­lich bleibt aber auch zu beach­ten, dass das Medi­um aus Daten­schutz­grün­den nicht unbe­dingt für Unter­richts­zwe­cke zu emp­feh­len ist. In unse­rem Fall waren alle Betei­lig­ten voll­jäh­rig und bereits mit eige­nen Accounts auf Insta­gram vertreten.

Trai­ler tato(o)theater

Bau­er­si­ma, Igor: norway.today. Fischer Taschen­buch; 18. Edi­ti­on 2003. Im Buch ent­hal­ten ist auch das Stück „Tat­too”. Die Rech­te für die Auffüh­run­gen von Ama­teur­thea­tern und Schul­thea­ter­grup­pen lie­gen beim Deut­schen Thea­ter­ver­lag: https://www.dtver.de/de/theater/index/product/product_id/11990 (zuletzt auf­ge­ru­fen am 31.07.2021)

Ingo Schel­ler, Sze­ni­sche Inter­pre­ta­ti­on, Theo­rie und Pra­xis eines hand­lungs- und erfah­rungs­be­zo­ge­nen Unter­richts, 2004 Kall­mey­er / Klett, S. 62 – 64, online zu finden hier: https://www.teachsam.de/deutsch/d_schreibf/schr_schule/protex/ protex10_8_4_2_2.htm

Kün­di­ger, Sabi­ne: Pra­xis Schul­thea­ter. Rei­hen und Model­le für die Sekun­dar­stu­fe I und II. 2019, S.82 und S.90

Tanja Finnemann
Tanja Finnemann 

Seit Ende 2021 Regio­na­le Fach­be­ra­te­rin Dar­stel­len­des Spiel Rhein­land-Pfalz Nord; Leh­re­rin am Geschwis­ter-Scholl-Gym­na­si­um in Daun (Dar­stel­len­des Spiel, Deutsch, Erd­kun­de); Lei­tung der Thea­ter-AG zusam­men mit einem Kol­le­gen, Teil­nah­me an ver­schie­de­nen Lan­des­schul­thea­ter­tref­fen, 2019 beim SDL in Hal­le, 2021 in Ulm; 1999–2001 Mit­glied im Jugend­club des Thea­ters Trier danach in ver­schie­de­nen Ensem­bles der Tufa Trier (Schau­spiel); zur Zeit im Vor­stand des Katz-Thea­ters Trier, dort Regie­tä­tig­keit und Schauspiel.

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