Ein Schritt auf der Bühne, ein stummer Blick in das Publikum und danach große rhythmische Bewegungen von 27 verschiedenen Spielenden. Momente, die für viele selbstverständlich sichtbar sind. Doch wie erlebt man Theater, wenn man nicht oder kaum sehen kann?
Hier kommt Charlotte Daniel ins Spiel. Als Sonderpädagogin am Landesförderzentrum Sehen in Schleswig gehört sie beim SDL 2026 zu einem sechsköpfigen Audiodeskriptions-Team. Ihre Aufgabe: Das Geschehen auf der Bühne live in präzise Worte zu fassen, punktgenau in den Sprechpausen der Darstellenden.
Eine besondere Herausforderung sind schnelle, komplexe Choreografien, die bei dem diesjährigen Schultheater der Länder öfter vorkommen. Charlottes Team nutzt dafür einen genialen Kniff: kleine Gliederpuppen. Vor Beginn ertasten Interessierte die Figuren und lernen die Bewegungsabläufe kennen. Im Stück genügt dann ein einzelnes Codewort über Kopfhörer und im Kopf entsteht sofort das passende Bild.
Diese Detailarbeit bereichert auch die Spielgruppen, die sich vielleicht vorher nicht mit dem Thema Audiodeskription (AD) auseinander gesetzt haben. Wenn Ensembles ihre Skripte nämlich mit den AD-Notizen zurückbekommen, entdecken sie ihre eigenen Inszenierungen aus ganz neuen Blickwinkeln.
Für Charlotte zeigt das SDL, wie Theater Begegnung schafft und Barrieren abbaut. Ein Angebot, das übrigens für alle da ist: Kopfhörer aufsetzen, Augen schließen und Theater einmal mit ganz anderen Sinnen erleben!