Mit „Aber No Pressure“ zeigt eine Theatergruppe der Sally-Perel-Gesamtschule aus Niedersachsen ein Stück über etwas, das im Publikum wohl jede und jeder kennt: den Druck, den Menschen heute aufeinander ausüben – durch soziale Medien, durch Kommentare, durch Erwartungen an Körper und Leistung. Schon der Titel trägt den Widerspruch in sich: Man soll locker bleiben, und trotzdem lastet der Druck weiter. Mich hat sofort betroffen gemacht, wie vertraut mir dieser Druck vorkam – der erste Eindruck ist beklemmend und gleichzeitig unangenehm nah.
Getragen wird die Aufführung von einer Stimmung, die ständig zwischen lockerer Bewegung und wachsender Enge kippt. Genau dieses Kippen macht die Gruppe durch den Wechsel zwischen Tanz und Sprechsituationen deutlich, wodurch ein Kontrast zwischen den harmlosen Sprüchen und ihren Auswirkungen entsteht. Immer wieder wird getanzt, doch die leichten Momente schlagen regelmäßig in etwas Bedrängendes um. Besonders auffällig ist, wie aus einer scheinbar harmlosen Gruppe fast unbemerkt eine Bedrohung entsteht.
Am stärksten wirkt ein wiederkehrendes Element, das sich durch das ganze Stück zieht. Immer wieder fällt eine wertende Aussage – „Warum isst du so viel?“, „Die Französischklausur ist doch bald“ oder „Hast du gesehen, wie schön … ist?“ – und unmittelbar danach sagen die Spieler:innen wie nebenbei „Aber no pressure“ und treten einen Schritt nach vorne. Was zuerst wie eine harmlose Floskel klingt, wird durch die Wiederholung körperlich spürbar: Mit jedem Schritt zieht sich der Raum um eine einzelne Person enger zusammen, bis sie schließlich umzingelt ist. Genau dieser Schritt nach vorne hat mich am meisten getroffen – er hat mir das Bedrohliche mehr klargemacht als jedes laute Wort, weil ich solche „harmlosen“ Sprüche selbst ständig höre. Dadurch kippt der Satz in sein Gegenteil – gerade weil er den Druck kleinreden soll, macht er ihn umso sichtbarer. Auf die Zuschauer:innen wirkt das fast selbst wie Druck, weil man den Kreis mit jedem Satz enger werden sieht.
Als zentrale Requisiten setzt die Gruppe Koffer ein. Sie liegen im Raum, werden getragen und geschoben, und dadurch bekommt der Druck etwas Gegenständliches: Es wirkt, als schleppe jede Figur ihre eigene Last mit sich herum. Am Ende sieht man, wie alle Koffer einen Spruch darstellen, wie zum Beispiel „Das ist Nina nicht-genug“. Dies hat mir besonders gut gefallen, da es die ganze Thematik des Stücks gut zusammenfasst.
Einen Gegenpol bilden die Tanzszenen. Die gemeinsamen Bewegungen zeigen die Gruppe zunächst als etwas Verbindendes, bevor genau diese Gemeinschaft sich gegen Einzelne wendet. Dieser Wechsel zwischen Miteinander und Ausgrenzung hält die Spannung über das ganze Stück.
Von der Aufführung bleibt vor allem ein Bild: der enger werdende Kreis und der harmlose Satz, der plötzlich bedrohlich klingt. Die Stärke der Inszenierung liegt darin, ein Gefühl, über das sonst nur geredet wird, auf der Bühne körperlich sichtbar zu machen. Ich nehme aus dem Stück vor allem mit, wie schnell beiläufige Urteile Druck erzeugen – und dass man selbst besser aufpasst, nicht so leichtfertig über andere zu urteilen. Spannend wäre gewesen, den tänzerischen Momenten am Ende noch etwas mehr Raum zu geben – als Gegengewicht zum Druck. Was bleibt, ist das unangenehme Wiedererkennen: „Aber no pressure“ kennt man selbst nur zu gut.
Autor: Gursewak Singh Ghotra - Carl-Schurz-Schule