Wir alle kennen die Geschichte von Schneewittchen, denken dabei aber wahrscheinlich weder an einen Hasen noch an das Gefühl von Gemeinschaft. Das Tanz- und Theaterstück „Schneewittchen“ der Weddinger Gesundbrunnen-Grundschule aus Berlin ist eine moderne Inszenierung des bekannten Märchens. Inhaltlich behandelt das Stück vor allem Themen wie Gemeinschaft und Zusammenhalt. Im Rahmen eines Projektes der Initiative LUNA PARK e. V. hat die Tanztheater-AG der Grundschule Kinder aus verschiedenen sozialen Herkünften zusammengebracht.
Dass die Kinder bei der Erarbeitung des Stückes eine Gemeinschaft geworden sind, wurde bereits zu Beginn durch ihren einheitlichen Sprechgesang deutlich. Zusammen erzählten sie die Vorgeschichte. Als die böse Königin anschließend die Bühne betrat und mit ihrem Spiegel sprach, zeigte sich schnell der humorvolle Charakter der Inszenierung. Die Königin stieß den Spiegel weg, sodass dieser über seine eigenen Füße stolperte. Ein Lachen ging durch das Publikum und es entstand eine heitere Atmosphäre.
Dann nahm die Handlung Fahrt auf und es wurde sichtbar, dass dieses Stück seine ganz eigene Note hat. Eine Szene, die dabei besonders einprägsam war, ist die, in der Schneewittchen auf ihrem Weg durch den Wald einem Hasen begegnet. Statt ihr einfach die Richtung zu weisen, fiel der Hase durch komische Laute und den Satz „Links, links, links, wo ist links?“ auf und brachte das Publikum abermals zum Lachen. Der Wald, in dem sich die beiden befanden, wurde dabei durch grünes Licht dargestellt, was eine märchenhafte Atmosphäre erschuf.
Neben dem Schauspiel standen auch Musik und Tanz im Mittelpunkt. Besonders deutlich wurde dies, als die Zwerge mit ihrem Lied „Die sieben Zwerge kommen nach Haus“ die Bühne betraten und erneut für eine ausgelassene Stimmung sorgten.
In der Inszenierung der Theatergruppe prägten die detailreichen Kostüme das Erscheinungsbild. Besonders auffällig war die Königin mit ihrer langen grauen Perücke, einer schimmernden Krone und einem ausladenden Kleid. Eindrucksvoll wurde außerdem die Verwandlung der Königin dargestellt. Während die verwandelte Königin in der Mitte stand, liefen ihre verschiedenen Erscheinungsformen um sie herum. Dadurch wurde der Gestaltwechsel nicht nur erzählt, sondern für das Publikum sichtbar gemacht.
Auch das Publikum wurde von der Theatergruppe in die Handlung einbezogen. Die böse Königin bot ihre verzauberte Ware zunächst verschiedenen Zuschauern an, bevor sie damit zu Schneewittchen ging. Dadurch entstand für einen Moment das Gefühl, selbst Teil der Handlung zu sein.
Besonders das Ende ist mir in Erinnerung geblieben. Nachdem Schneewittchen eingewilligt hatte, den Prinzen zu heiraten, tanzten sie gemeinsam zu „Einmal um die Welt“ von Cro und die tolle Gemeinschaft des Ensembles wurde in diesem Moment spürbar. Indem sich Schneewittchen, die sieben Zwerge, der Hase und die böse Königin synchron zur Musik bewegten, wurden alle Unterschiede beiseitegelegt.
Insgesamt war die Aufführung eine besondere Neuerzählung des Märchens. Nicht die Liebe zwischen Prinz und Prinzessin stand im Mittelpunkt, sondern das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Genau dieses Bild des Ensembles bleibt nach der Aufführung besonders im Kopf und im Herzen.
Autorin: Sophia Schmidt vom Hofe - Philipp-Reis-Schule