Was passiert, wenn die eigenen Ängste plötzlich Wirklichkeit werden und man seinen eigenen Augen schließlich nicht mehr trauen kann?
Genau mit dieser Frage beschäftigt sich die Aufführung „Der Sandmann“ nach der Erzählung von E. T. A. Hoffmann, die am 22. September 2026 beim SDL in der Volksbühne Frankfurt aufgeführt wurde. Gespielt wurde sie vom Professor-Friedrich-Förster-Gymnasium und von Christian Müller geleitet. Unterstützt wurde die Produktion von der Dramaturgin Katrin Müller. Im Mittelpunkt standen Angst, Trauma und die Frage, wie Gefühle gezeigt werden können, wenn sie nicht ausgesprochen werden können.
In „Der Sandmann“ geht es um Nathanael, der von einer traumatischen Begegnung aus seiner Kindheit verfolgt wird. Die Erinnerungen an den unheimlichen Sandmann vermischen sich immer mehr mit seiner Gegenwart, sodass für ihn die Grenze zwischen Traum, Realität und Einbildung verschwimmt. Dabei wird auch seine Beziehung zu Clara und seine Begegnung mit der geheimnisvollen Olympia wichtig. Immer stärker verliert Nathanael den Halt in der Wirklichkeit.
Schon am Anfang entsteht eine düstere und unheimliche Stimmung. Nicht immer ist sofort klar, was gerade passiert oder was bestimmte Bewegungen bedeuten. Genau das machte die Aufführung aber spannend, weil dadurch eigene Gedanken und Vorstellungen entstehen. Teilweise wirkt das Geschehen sogar etwas beunruhigend. Besonders die Momente, in denen die Figuren ihren Schmerz nur durch Bewegungen zeigen, bleiben im Gedächtnis. Dadurch wird man als Zuschauende und Zuschauender nicht nur zum Beobachten, sondern auch zum Mitfühlen gebracht.
Besonders wichtig sind die Geräusche und die Musik. Es gibt viele Soundeffekte, die die Stimmung verstärken. Manche Geräusche kommen ziemlich unerwartet und bauen dadurch Spannung auf. So bleibt die Aufmerksamkeit während der gesamten Aufführung erhalten.
Auch Gestik und Mimik spielen eine große Rolle. Viele Gefühle werden nicht ausgesprochen, sondern durch Körper und Mimik vermittelt. Gerade das passt gut zum Thema des Stücks, da die Figuren ihren Schmerz ausdrücken wollen, aber nicht richtig gehört werden. Dadurch können manche Gefühle eher gespürt als verstanden werden.
Auch das Licht wird passend eingesetzt. Durch verschiedene Lichteffekte entstehen immer wieder neue Stimmungen. Teilweise wirkt die Bühne dadurch fast wie eine Traumwelt. Das verstärkt die geheimnisvolle und etwas unheimliche Atmosphäre.
Außerdem werden verschiedene Requisiten verwendet und in die Handlung eingebaut. Zusammen mit Musik, Licht und Bewegungen entsteht dadurch ein abwechslungsreiches Bühnengeschehen. Da nicht alles direkt erklärt wird, bleibt Raum für eigene Interpretationen.
Eine der größten Stärken des Stücks ist die Verbindung von Sprechen und Sprachlosigkeit. Besonders die Körpersprache vermittelt den Schmerz und die Unsicherheit der Figuren sehr direkt. Dadurch wird deutlich, dass Gefühle nicht immer durch Worte ausgedrückt werden müssen.
Insgesamt bleibt „Der Sandmann“ vor allem wegen seiner besonderen und etwas unheimlichen Atmosphäre im Gedächtnis. Das Stück regt zum Nachdenken an und lässt einige Bilder auch nach dem Ende noch im Kopf bleiben. Besonders das Zusammenspiel aus Musik, Geräuschen, Licht und Körpersprache macht die Aufführung zu einem intensiven Erlebnis. Gerade weil nicht alles erklärt wird, wirkt das Stück noch lange nach.
Autorin: Annika Graßl – Carl-Schurz-Schule