Am 22. September 2026 führt die Spielgruppe DS Alphas der IGS Selters im Gallus Theater Frankfurt das Stück „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ auf. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Menschen, die von einer anderen Gruppe kontrolliert und erniedrigt wird. Die Inszenierung setzt dabei nur wenige Requisiten ein und erzählt ihre Geschichte vor allem durch Bewegung, Tanz, Musik und Körpersprache. Dadurch wirkt die Aufführung ernst, emotional und regt zum Nachdenken an.
Zu Beginn fällt besonders die klare Aufteilung der Figuren auf. Eine Gruppe trägt einfache weiße beziehungsweise teilweise gestreifte Kleidung und wirkt dadurch wie Gefangene. Die andere Gruppe trägt blaue Kleidung und Sonnenbrillen und erscheint dadurch deutlich mächtiger. Die Menschen in Weiß werden von ihnen herumkommandiert, bewegt und immer wieder zu Boden gedrängt. Teilweise bewegen sie sich dabei fast wie Roboter. Die wiederholten Bewegungen verstärken den Eindruck, dass sie ihre Freiheit verlieren und ständig denselben Situationen ausgesetzt sind. Gleichzeitig versuchen sie immer wieder, gemeinsam Freude zu finden und sich gegenseitig zu unterstützen.
Sehr wirkungsvoll ist die Körpersprache der Schauspielerinnen und Schauspieler. Die Bewegungen sind genau koordiniert und reichen von marschartigen Aufstellungen bis zu tänzerischen Sequenzen. Dadurch wird das Verhältnis zwischen den beiden Gruppen ohne viele Worte verständlich. Ein Gegensatz entsteht bei zwei Tanzpaaren gegen Ende des Stücks. Die Paare tanzen ruhig und sehr emotional miteinander. Durch Nähe, Blickkontakt und teilweise auch Hebefiguren entsteht eine intensive Atmosphäre. Diese Szenen zeigen, dass zwischen den Menschen trotz der bedrückenden Situation Zusammenhalt und Nähe bestehen bleiben.
Auch die Kostüme tragen wesentlich zur Wirkung bei. Die einheitliche weiße Kleidung der unterdrückten Gruppe lässt die einzelnen Personen beinahe austauschbar erscheinen. Die blauen Kleidungsstücke und Sonnenbrillen der anderen Gruppe wirken dagegen einheitlich, streng und autoritär. Auffällig ist, dass die Bühne selbst fast ohne Requisiten auskommt. Gerade dadurch richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Menschen und ihre Bewegungen.
Musik und Stille unterstützen die Atmosphäre zusätzlich. Vor allem das Lied „People Help the People“ von Birdy passt durch seine emotionale Wirkung zur Handlung. An einigen Stellen wird die Musik durch Stille unterbrochen, wodurch einzelne Momente noch intensiver wirken. Auch Nebel wird eingesetzt und verstärkt die bedrückende Atmosphäre.
Am stärksten bleibt mir das Ende im Gedächtnis. Nachdem die unterdrückte Gruppe erneut zu Boden gebracht wird, beginnen einige Mitglieder der anderen Gruppe, ihre blaue Kleidung und Sonnenbrillen abzulegen und den Menschen zu helfen. Nach und nach schließen sich immer mehr an, bis schließlich alle gemeinsam tanzen. Dadurch verändert sich die Atmosphäre vollständig, denn aus Unterdrückung wird Gemeinschaft.
Insgesamt überzeugt die Aufführung besonders durch ihre körperliche und tänzerische Ausdruckskraft. Die Inszenierung zeigt mit wenigen Mitteln, wie Unterdrückung, Zusammenhalt und das Streben nach Freiheit dargestellt werden können. Gerade weil vieles nicht ausgesprochen, sondern durch Bewegung und Musik vermittelt wird, bleibt das Stück nach der Aufführung im Gedächtnis.
Autorin: Iva Dundjer – Carl-Schurz-Schule